2. November 2017

AUF DER REISE: BOSNIEN-HERZEGOWINA 04

Mostar
Mir fehlen die Worte
bei solch einem Land
Wo der Krieg noch tiefe Spuren
in den Hausfassaden und Herzen der Menschen
hinterlassen hat
und gleichzeitig sich alles frech und frei und willkommen anfühlt.
Der Muezzin ruft. -
Hörst du sein Friedensgebet?
**



Kravica
Vorbereitungen in Sarajevo // Preparations in Sarajevo
Ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd als ich in Mostar die Zimmertür zum ersten Mal hinter mir und Tyson schließe und dann das: der Muezzin ruft. Erst etwas weiter weg, dann näher. Die Lautsprecher tragen den melodiösen Klang der Stimme in mein Ohr. Würde mich jetzt jemand außer Tyson sehen, würde er den Kopf schütteln: warum grinst die nur so?
Während eines meiner allerersten Projekte als Produktionsassistentin beim Film rief mich einmal ein Regisseur aus Saudi Arabien an. Hörst du das? Fragte er und hielt das Handy in den Lautsprecher. Ich fühlte mich plötzlich verbunden mit den Menschen dort, der Gebetssang war wunderschön, der Augenblick magisch. Ich bin nicht religiös, aber mich ergreift, vermutlich ob der sonderbaren Fremdheit, ein Glücksgefühl, wenn ich die Muezzin höre. Bosnien-Herzegowina war für mich also zuallererst also ein Land im Orient, ein wunderbar magisches Land. Ich weiß, dass es eine sehr alte und potentiell gefährliche Idee ist, den Orient als "mystisch" oder "magisch" zu sehen, als Gegensatz zum Okzident. Allerdings kann ich das Gefühl auf andere Weise nicht wirklich beschreiben, zumindest noch nicht. Ich hatte einfach nicht gewusst, dass es hier so viele Moscheen gibt.
 

Die berühmte Brücke Stari Most // The famous bridge Stari Most
Die Brücke wurde während des Bosnienkriegs 1993 zerstört // The bridge was destroyed during the Bosnian war in 1993




Badehosen professioneller Brückenspringer von der Stari Most // Swim trunks from professional bridge jumpers of the Stari Most
Moschee in Mostar // Mosque



 
Mostar Souvenirs
Blagaj Derwisch Kloster nahe Mostar // Blagaj dervish monastery close to Mostar
Ein paar Tage später in Sarajevo: Merima führt uns, eine kleine Gruppe, durch die Stadt und erzählt von der Belagerung Sarajevos von 1992 – 1996. Sie war damals noch ein Kind und erzählt uns von den vielen Bomben, die jeden Tag auf Sarajevo fielen, auf das Gefühl, dass die Bewohner beschlich: trotzdem das Leben zu leben. Trotzdem auszugehen. Trotzdem weiterhin zur Schule zu gehen. Trotzdem draußen zu spielen. Diesem Trotzdem fielen Erwachsene wie Kinder zum Opfer. Kinder wurden selbst von Scharfschützen ins Visier genommen. Bis heute eine unvorstellbare Tat. Susan Sontag war da und hat „Waiting for Godot“ aufgeführt. 




Sarajevo Rose: Ein Denkmal für einen Ort, an dem mehr als 3 Menschen von einer Granate getötet wurden // A monument to a place where more than three people died because of a shell attack


Sarajevo
Tyson macht überall neue Freunde // Tyson is making new friends everywhere

Das jetzige politische System, das alle verschiedenen Entitäten und Meinungen des Landes vereinen soll, arbeitet wenig effektiv, wenn es 3 Präsidenten gibt und jeder von ihnen ein Vetorecht hat. Es dürfte äußerst schwierig sein, ein Land mit solchen Hemmnissen in die Zukunft zu führen. Auch die Polizei braucht eine Reform – da spreche ich aus persönlicher Erfahrung. Als ich durch BiH fuhr um nach Montenegro zu kommen, wurde ich wegen überhöhter Geschwindigkeit in einer Schulzone angehalten. Und das obwohl ich mich strikt an alle Regeln gehalten hatte, weil ich von solchen Dingen gelesen bzw. gehört hatte. Um es kurz zu sagen: der Polizist war nachher um den einen Geldschein reicher und ich bekam meinen Führerschein wieder. 


Sutjeska Nationalpark

Tjeniste Kriegsdenkmal // War Memorial

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, aber das würde den Rahmen dieses Blogs sprengen.  Lasst es mich so ausdrücken: Bosnien-Herzegowina hat mich zutiefst beeindruckt.

***
I'm lost for words
in such a country
Where the war still leaves deep traces
in house facades and the hearts of the people
and at the same time everything feels cheeky and free and welcome.
The muezzin calls -
Do you hear his prayer for peace?
**


I am looking like a smiling idiot after I close the door in Mostar for the first time behind me and Tyson when the muezzin calls. First a little further away, then closer. The speakers carry the melodious sound of the voice into my ear. If anyone but Tyson would see me now, he would shake his head: why is she grinning like a fool?
O one of my very first projects as production assistant in film, a director once called me while he shooting in Saudi Arabia. Do you hear that? he asked, holding the phone directly into the speaker. I suddenly felt connected to the people there, the prayer song was so beautiful, the moment magical. I am not religious, but I feel a certain kind of happiness, probably because of the strange strangeness, when I hear the muezzin. Bosnia-Herzegovina was first and foremost a country in the Orient, a wonderfully magical country. I know it's a very old and potentially dangerous idea to see the Orient as “mystical” or “magical”, to see it as an opposite to the Occident. However, I cannot really describe the feeling in any other way, not yet. I simply did not know that there are so many mosques here.

A few days later in Sarajevo: Merima leads us, a small group, through the city and tells about  everyday life during the siege of Sarajevo from 1992 - 1996. She was still a child then and she tells us about the many bombs that fell on Sarajevo every day, the feeling that the inhabitants had: live life in spite of the war. Go out in spite of it. Go to school in spite of it. Play outside in spite of it. There were many victims among adults and children along because of this spite. Children were also targeted by snipers in general. An unimaginable deed to this day. Susan Sontag was here putting on the play "Waiting for Godot".

The political system now is supposed to unify all these different entities in the country but it is difficult to have 3 presidents with each of them having a right to veto. It's difficult to lead a country into the future with obstacles like that. From a personal experience I'd also say the police needs some reformation. When I drove through BiH to go to Montenegro I was stopped apparently because I was speeding in a school zone but I am pretty sure I strictly followed the rules because I had read or heard about things like this. In short: after a couple of minutes the policeman had one more bill in his pocket and I got my driver's license back again.

There is so much more to tell, but that would go far beyond what this blog can offer. Let me phrase it like this: Bosnia-Herzegovina impressed me a lot.

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