10. September 2013

DAS SCHREIBEN IN PHASEN




Vielleicht ist es wie mit allem im Leben: wenn das Ziel klar ist, sieht man plötzlich auch den Weg vor Augen.
Bei mir ist das immer so mit dem Schreiben. Nicht, dass ich nicht schreibe, wenn ich kein Ziel vor Augen habe. Aber dieses konzentrierte Schreiben, das Schreiben, das zu einem Abschluss kommen muss, das gibt es nicht so häufig. Bald ist Einsendeschluss. Ein Wettbewerb, der maßgeblich darüber entscheiden könnte, wie viele Schreibphasen das nächste Jahr haben wird.

Das Schönste jedoch am konzentrierten Schreiben sind die Phasen, in denen man sich von den unterschiedlichsten Dingen inspirieren lässt. Zuerst kommt der eigene Kopf, die eigenen Erfahrungen, die sich langsam - abstrahiert und verzerrt - zu einem Konzept einer Geschichte zusammenfügen lassen. Da habe ich dann schon die ersten Absätze geschrieben. Das Konzept ist dabei sehr flexibel - nach jedem Tag, an dem geschrieben wurde, verändert es sich.

Dann kommt die Lust auf Zitate. Links zu allem, was mit Schriftstellern zu tun hat, werden zwischen Cindy und mir ausgetauscht. Da kommt eine Nachricht, in der vom Wohnen, Leben und Arbeiten im berühmten Shakespeare & Company Buchladen in Paris die Rede ist. Da wird das Projekt "Iron Buchblogger" erwähnt - ein Projekt, das Blogs vorstellt, auf denen einmal pro Woche etwas gepostet wird (und was ein guter Ansatz ist, das konzentrierte Schreiben noch etwas mehr zu fördern).

Sobald die Geschichte stockt, nichts mehr passiert, die Hauptfigur stehen bleibt und nicht mehr weiß, warum sie eigentlich losgelaufen ist, dann helfen auch weniger ernste Dinge: diese Lazy Bastard Version, zum Beispiel, vom Veröffentlichtwerden in 25 Schritten. Motivation pur: "DO NOT QUIT WRITING". Und ein bisschen Realität sehen: "A first draft is meant to be a malleable chunk of clay that you barf out onto the worktable."

Zwischendurch kommt die Erkenntnis, das beinahe jeder Autor Stephen King's "On Writing" empfiehlt. Wenn etwas so oft erwähnt wird, sollte man vielleicht einmal reinschnuppern (s. Bild).

Und diese ganzen Inspirationsquellen führen zu weiterem Schreiben. Zu einem neuen Blogeintrag. Einer weiteren Kurzgeschichte. Manchmal auch zu kreativen Ausflügen ins DIY-Paradies oder zu Pinsel und Farbe.




Aufregend wird es, wenn das eigene Schreiben dazu verführt, wieder mehr zu lesen. Seite für Seite in der U-Bahn umzuschlagen, neue Sitz- und Liegepositionen auf der Couch zu finden, um stundenlang über den Geschichten anderer ausharren zu können. In den letzten Wochen haben mich inspiriert: F. Scott Fitzgerald's Kurzgeschichten: The Curious Case of Benjamin Button and Tales of the Jazz Age. Helen Garner's Monkey Grip saugt mich so schnell in das Geschehen, dass ich es manchmal weglegen muss, nur um vom Tag noch etwas mitzubekommen. Und dann eine Art "guilty pleasure": im Kino läuft gerade Chroniken der Unterwelt - City of Bones. Unschön übersetzt, wie so oft. Cassandra Clare's The Mortal Instruments-Serie hat Ähnlichkeiten zu Twilight oder zu The Hunger Games. Natürlich. Aber irgendwie ist es auch an vielen Stellen erfrischend anders. Was soll's: etwas Leichtes darf ruhig auch einmal zur Lektüre zählen. Danach kommt dann nämlich Emma Donoghue's Room (mehr dazu in einem separaten Blogeintrag) - und erzählt die Geschichte von Ma und Jack, ihrem fünfjährigen Sohn und erinnert an den Fall Fritzl aus Österreich. Bisher ist alles aus der Perspektive von Jack geschrieben, der eben nichts anderes kennt als den Raum in dem er und Ma leben. Das ist seine Realität.



Ich muss mich immer wieder daran erinnern, wie glücklich die Zeiten sind, in denen ich lesen kann, ohne Pause, ohne Unterlass, aufhören gilt erst nach der letzten Seite und dann greift die Hand automatisch zum nächsten Buch. Ich muss nicht überlegen, das Schlimmste ist nämlich, sich überlegen zu müssen, was man als nächstes lesen möchte, in welche Welt man als nächstes hineingezogen werden will. Aber das muss ich zum Glück zur Zeit nicht. Und zwischendurch wird konzentriert geschrieben. Eine meiner Lieblingskombinationen. Und manchmal muss man das einfach noch einmal erwähnen.



1 Kommentar:

  1. schöner Beitrag übers Inspirieren lassen - und welche Energie man immer wieder daraus ziehen kann! Immer wieder gerne xx

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